Geschmiedete Gelenke bieten im Maschinenbau viele Vorteile, die oft unterschätzt werden. Wir zeigen auf, welche verborgenen Stärken diese Komponenten mitbringen.
Hochbelastbare Gelenkverbindungen wie präzisionsgeschmiedete Scharniere, schwere Lagerböcke und Gabelköpfe hydraulischer Systeme gehören zu den wichtigsten, aber oft übersehenen Elementen im Maschinenbau. Überall dort, wo extreme dynamische Zug- und Druckkräfte übertragen werden müssen – etwa an Baggerauslegern oder Scherkräfte bei Kragarmen –, entscheidet die Wahl des Fertigungsverfahrens nicht nur über Sicherheit und Langlebigkeit, sondern auch maßgeblich über das Bauteilgewicht.
Grain Flow Forging – Leichter, Stabiler, Sicherer
Nachdem in früheren Artikeln bereits behandelt wurde, wie Schmiedeteile zur Energieeinsparung beitragen können und warum geschmiedete Haken aufgrund des optimalen Kornflusses so stabil sind, widmen wir uns in diesem Beitrag konkret gesenkgeschmiedeten Gelenken im Maschinenbau, die hochbelastbare Komponenten bei vergleichsweise geringem Gewicht ermöglichen.

Leichter als Guss – Die Toledo-Studie
Gussbauteile neigen zu Sprödigkeit, und Schweißkonstruktionen werden durch zusätzliche Verstärkungen oft voluminös und schwer. Dass gesenkgeschmiedete Komponenten hier technisch weit überlegen sind, belegen auch unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen:
Eine umfassende Ingenieurstudie der University of Toledo (Ohio) untersuchte das Dauerschwingverhalten von Kurbelwellen – Bauteilen, die unter sehr ähnlichen Belastungsprofilen arbeiten wie hochbelastbare Lagerböcke und die dazugehörigen Gabelköpfe. Die Forschungsergebnisse zeigten eindeutig: Der Wechsel von Gusseisen zu einem gesenkgeschmiedeten Bauteil einer vergleichbaren Stahlvariante erhöht die Gesamtlebensdauer gegenüber Gusskomponenten auf bis zu das Sechsfache! (Link zu Studie: ResearchGate)
Durch diese enorm höhere Ermüdungsfestigkeit können Bauteilvolumina und damit Gewichte gezielt reduziert werden – was echten, funktionalen Leichtbau ermöglicht.

Ein Standzeitversuch mit präzisionsgeschmiedeten Scharnieren
Im Rahmen der Prototypenentwicklung für einen schnellen Schließmechanismus im Sondermaschinenbau wurden drei Fertigungsverfahren im direkten Vergleich evaluiert – mit eindeutigem Ergebnis:
- Die Guss-Lösung: Ein herkömmliches Gussteil versagte bereits bei den ersten Praxistests unter extremer dynamischer Wechselbelastung – die Scharnieraugen brachen schon nach den ersten paar hundert Schließbewegungen ab.
- Fräsen aus dem Vollem: Ein aus einem gewalzten Stahlblock gefrästes Scharnier zeigte zwar eine deutlich bessere Performance. Nach mehreren hunderttausend Schließzyklen wurden jedoch an den kritischen Übergängen zwischen Scharnieraugen und Befestigungsflansch erste Anrisse festgestellt.
- Die Gesenkschmiede-Lösung: Erst der Umstieg auf ein gesenkgeschmiedetes Scharnier brachte den entscheidenden Durchbruch. Die geschmiedeten Bauteile überschritten die Marke von weit über einer Million Schließzyklen im Dauerbetrieb bei hoher Frequenz völlig ermüdungsfrei.
Der Grund für diese Langlebigkeit liegt im gezielten Materialfluss beim Gesenkschmieden. Anders als beim Fräsen aus dem gewalzten Stahlblock bleibt der Kornfluss (Faserverlauf) des Stahls ununterbrochen und folgt exakt den geometrischen Konturen und kritischen Radien des präzisionsgeschmiedeten Scharniers (FAQ).
Genau an diesen hochbeanspruchten Übergängen – den Zero-Failure-Zones – entsteht so ein gerichtetes und verdichtetes Gefüge, das extremen Scher- und Biegemomenten mühelos standhält.
Über den Autor
Thomas Henneke, hat Mathematik und Physik studiert und ist nach beruflichen Stationen in der Forschung und Bildung heute geschäftsführender Gesellschafter der Gesenkschmiede KB Schmiedetechnik GmbH in Hagen, einer hochzertifizierten Präzisionsschmiede im westdeutschen Sauerland, zwischen Solingen und Dortmund gelegen.
Gesenkgeschmiedete Präzisionsteile
KB Schmiedetechnik GmbH verarbeitet sämtliche Stahlsorten, darunter hochkorrosionsbeständige Edelstähle, Duplexstähle sowie Nickelbasis- und Titanlegierungen. Die Rohteilgewichte reichen von ca. 200 g bis 130 kg (abhängig von Geometrie und Material), bei einer Maximallänge von 600 mm – mit optimierter Kornflussstruktur (EN: Grain-Flow Forging), präzisionsgeschmiedet und kalibriert.
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Gesenkschmiede Stahlschmiede Präzisionsschmiede
Dipl.-Math. Thomas Henneke (CEO)
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Originalinhalt von Thomas Henneke, veröffentlicht unter dem Titel „Leichtbau im Maschinenbau: Warum geschmiedete Gelenke anderen Verfahren überlegen sind„, übermittelt durch Prnews24.com

